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Ausstellung in der Bezirksregierung
"Diagnosen & Dinge" – Maike Dähn

Kunstwerk in Halle

© Bezirksregierung Münster

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Die Bezirksregierung Münster präsentiert vom 6. bis 28. August 2018 die Ausstellung „Diagnosen & Dinge" der 27-jähigen Künstlerin Maike Dähn im Foyer des Freiherr-vom-Stein-Hauses am Domplatz 1-3 in Münster. Die in Bottrop geborene Künstlerin Maike Dähn hat sich lokal bereits einen Namen gemacht und überzeugt durch ihre durchweg konzeptuell angelegten Arbeiten. Neben Skulptur und Druckgrafik verwendet und kombiniert sie unterschiedliche Techniken und Medien, wobei diese immer auf die künstlerischen Ideen abgestimmt sind. Eine Fachjury hat Maike Dähn, die vom Kulturamt der Stadt Bottrop vorgeschlagen wurde, für diese Einzelausstellung im Hauptgebäude der Bezirksregierung Münster ausgewählt. Die Ausschreibung zur Ausstellung hatte sich an alle Kulturämter des Regierungsbezirks Münster gerichtet.

Dr. Fabian Sietz bietet zwei Führungen durch die Ausstellung an, bei denen die Künstlerin ebenfalls anwesend sein wird: 3. August 2018, um 18 Uhr und 23. August 2018, um 17 Uhr (um Voranmeldung bei Thomas Hoffmann (0251 411-1078) wird gebeten).

Ausstellung Diagnosen & Dinge. Die Ausstellung zeigt Arbeiten, die sich mit Dingen und ihren subtilen Bedeutungen im Alltag beschäftigen, indem sie das Verhältnis Ding-Mensch auf vielfältige Weisen thematisieren und künstlerische Diagnosen stellen. Allen Werken ist gemein, dass sie durch das in ihnen verwendete Material sehr konkrete, unmittelbare Bezüge herstellen und zugleich durch Abstraktion in der Form Spannungen erzeugen, die den Betrachter zum Denken und Entdecken anregen. Dabei lohnt es sich der Blick auf die Details der sorgfältig durchdachten Arbeiten.

Zweitausendundachtzehn (2018)

Die jüngste Arbeit Maike Dähns zweitausendundachtzehn ist gleichermaßen abwechslungsreich wie vielschichtig, indem sie wesentliche Elemente des durch den Menschen geprägten Erdzeitalters (das sog. Anthropozän) als komplexes, künstlerisches Geflecht reflektiert. Dabei werden Materialien, mit denen der Mensch seine Welt prägt, unmittelbar und zugleich verfremdet in die Ausstellung gebracht. Kuben in verschiedenen Größen bestehen aus Bitumen, Mais, Kunststofftüten, Reifengummi, Unkrautvernichter, verbranntes Holz etc. All diese Dinge sind Ursachen des Anthropozäns. Diese werden mit Zeichnungen, die einerseits konkrete Motive abbilden, damit aber andererseits abstraktere Diagnosen wie Artensterben oder Erderwärmung zeigen, kombiniert.

ICD-10-Reihe (2017)

Diagnosen einer anderen Art stellen vier großformatige, altmodische Lehrtafeln, die mit dem Namen jeweils einer psychosomatischen Störung betitelt sind. Doch anstatt nüchtern zu belehren, stellt die Installation den medizinischen Diagnosen die persönliche Leiderfahrung der Patienten gegenüber, indem sie den enervierenden Tinnitus, die ausufernde Dermatitis, den Sehverlust der Migräne und die lähmende Bewegungsstörung in künstlerische Formen bringt, die zugleich auf Fachwissen zurückgreifen und dadurch den Betrachter visuell und gedanklich in den Bann ziehen.

Zirbeldrüse (2017)

Zurückhaltend wirkt hingegen eine Reihe von Radierungen im mittleren Format, auf denen in zarten Linien Frauenkörper angedeutet sind, die sich mit biologisch anmutenden Strukturen sowie unbedruckten Flächen überlagern und diese Kombinationen variieren. Dass es hier um den essentiellen Zusammenhang von Körper und Seele geht, verraten die Titel der einzelnen Drucke, indem sie je eine Theorie eines Denkers, von Plotin über Descartes bis in die Gegenwart, künstlerisch umsetzen. Dabei verfolgen sie eine einheitliche Formsprache, indem Druckplatte, Papier und Ätzung gemäß der jeweiligen Theorie konsequent eingesetzt, entfernt und positioniert sind und dadurch zum Vergleichen, Rätseln und Fachsimpeln zu dieser allzu menschlichen Frage einladen.

Referenzkörper (2016) + Hochdrucke

Es eröffnet sich eine sich in den Raum schlängelnde, in Streifen zersägte Auto-Karosserie als unkonventionelles Selbstportrait, das sich damit beschäftigt, inwiefern materieller Besitz ein Mittel zur Selbstdarstellung und Identitätsbildung sein kann. Bei genauem Hinsehen kann der Betrachter entdecken, dass die Karosserie-Streifen auf individuelle Körpermaße abgestimmt und durch persönliche Geschichte gekennzeichnet sind. Die zu diesem Referenzkörper zugehörigen, großformatigen Drucke greifen die Materialität des Gegenstandes und die Vermessung der eigenen Identität auf, indem sie den Zustand vor der Dekonstruktion als Abbilder konservieren

Teekultur (2018)

Die Arbeit Teekultur erscheint zunächst wie zwei exotischen, einladend arrangierten Teeservices, die sich bei genauerer Betrachtung jedoch als völlig dysfunktional herausstellen. Dazu entlarven die auf den ersten Blick dekorativ-ornamentalen Sockel, dass es mit der Exotik des Tees nicht allzu weit her ist. Mit einem kaum zu übersehenden Augenzwinkern wird hier diagnostiziert, inwiefern die Darstellung des vermeintlichen Fremden viel mehr über uns selbst verrät.

Neben der Stärke der konzeptuellen Genauigkeit schafft Maike Dähn ebenso eine ästhetische Sprache, die sowohl ansprechend als auch irritierend ist. Die Ausstellung ist ein Erfahrungsweg für jeden Betrachter. Es werden Gelegenheiten zur Selbstreflexion und zu wissenschaftlichen Diskursen geschaffen, die einen lohnenden Besuch garantieren.

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