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Staub und Benzo(a)pyren
Luftqualität und Minderungsmaßnahmen im Umfeld der Kokerei Prosper in Bottrop

Kokerei

© Bezirksregierung Münster

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Aufgrund einer hohen Anzahl von Fragen hinsichtlich der Luftqualität im Umfeld der Kokerei Prosper informiert die Bezirksregierung Münster ausführlich über die Luftqualität und Minderungsmaßnahmen. An der Kokerei Prosper in Bottrop finden regelmäßig Messungen vom LANUV hinsichtlich Feinstaub und Staubniederschlag statt. Die aufgezeichneten Messungen sind weit unterhalb des zulässigen Immissionswertes. Die Bezirksregierung Münster kontrolliert außerdem in den Industrieanlagen regelmäßig.

Grundsätzliches zu Feinstaub und Staubniederschlag

Immissionen im Immissionsschutzrecht sind unter anderem staubförmige Luftverunreinigungen, die  zum Beispiel auf Menschen, Tiere und Pflanzen, den Boden, das Wasser, die Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter einwirken. Emissionen im Immissionsschutzrecht sind zum Beispiel die von einer Anlage ausgehenden staubförmige Luftverunreinigungen.

Wann spricht man von Feinstaub (PM10) und was ist Staubniederschlag?

Unter Feinstaub (PM10) versteht man Schwebstaubteilchen, deren Durchmesser kleiner ist als 10 µm (1 µm=1/1000 mm). Man spricht auch von atembarem Staub. Von Staubniederschlag spricht man demgegenüber, wenn die Ablagerung von Stoffen auf Oberflächen angesprochen ist. Er besteht überwiegend aus Grobstaub.

Welche immissionsschutzrechtlichen gesetzlichen Vorgaben gibt es für Feinstaubimmissionen und Staubniederschlag?

Im Immissionsschutzrecht gibt es für Stäube verschiedene Anforderungen zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen. Es gibt Immissionswerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit (Nummer 4.2.1 der Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft- TA Luft), hier wird Schwebstaub (PM-10), also atembarer Staub/Feinstaub betrachtet.

Des Weiteren gibt es Immissionswerte zum Schutz vor erheblichen Belästigungen oder erheblichen Nachteilen (Nummer 4.3.2 TA Luft). Hier wird Staubniederschlag (Deposition/nicht atembarer Staub) betrachtet.

Tabelle 1 und 2

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Wie werden die gesetzlichen Vorgaben überwacht?

Die Überwachung der Luftqualität erfolgt in NRW durch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV.NRW)

Feinstäube

Feinstäube (PM-10) werden zum Beispiel an der Messstation des LANUV in Bottrop Welheim kontinuierlich ermittelt und sind auch im Internet beim LANUV einsehbar. Die Immissionswerte für das Jahresmittel von 40 µg/m3 sind deutlich unterschritten (22 µg/m3 in 2017), es gab auch keine Immissionswertüberschreitungen des 24h-Wertes von 50 µg/m3 in den letzten Jahren (bei 35 zulässigen Überschreitungen).

Staubniederschlag

Proben für Staubniederschlag werden monatlich erfasst und werden über ein Jahr gemittelt. Staubniederschlag wurde seitens des LANUV bis 2002 großräumig erfasst. Die Daten sind ebenfalls online beim LANUV einsehbar. Diese Messungen wurden nach Auskunft des LANUV danach eingestellt, da die Immissionswerte deutlich eingehalten wurden. In 2015 wurde von Juni bis Dezember auf dem Gelände der Messstation in Welheim eine Vergleichsmessung zur Bestimmung des Staubniederschlags durchgeführt. Nach Auskunft des LANUV betrug hier die Belastung durch Staubniederschlag im Juni circa 0,13 g/(m2d), in den darauffolgenden Monaten ca. 0,1 g/(m2d), sodass bestätigt wurde, dass der Immissionswert der TA Luft für Staubniederschlag (0,35 g/(m²d)) sicher eingehalten ist.

Zusätzliche Messungen

Auch der Betreiber der Kokerei lässt durch ein Messinstitut auf dem Werksgelände und im Umfeld der Kokerei Staubniederschlagsmessungen durchführen. Die uns vorliegenden Monatswerte bestätigen bislang die sichere Einhaltung des Jahresimmissionswertes.Aufgrund der aktuellen Beschwerdefälle führt das LANUV seit Juli 2018 auf unseren Wunsch erneut Staubniederschlagsmessungen an der Messstation in Welheim durch. Die bislang ermittelten Monatsmesswerte weisen auf eine deutliche Unterschreitung des Immissionswertes der TA Luft für Staubniederschlag hin (etwa ein Drittel des zulässigen Immissionswertes, siehe Diagramm unten).

Kurzfristige Staubereignisse, zum Beispiel durch vermehrte Abwehung von Material bei Starkwind  treten selten auf und wirken sich nach Erfahrung des LANUV nicht wesentlich auf Jahresmittelwerte aus.

Grafik

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Zur Lage der Messstelle

Ziel beim Aufstellen einer industrienahen Messstelle ist es, die Luftqualität am Punkt mit der größten potentiellen Belastung für Anwohner zu messen.

Die Konzentration eines Schadstoffs hängt vor allem ab:

  • Von der Menge des Stoffs, die von einer Anlage emittiert wird
  • Von der Häufigkeit, mit der der Wind aus der Richtung einer Anlage weht.

In Bottrop ist Südwest die vorherrschende Windrichtung, demnach ist die optimale Position einer Messstelle ca. 500 m nordöstlich einer industriellen Quelle. In größerer Nähe zur Anlage ist die Verteilung der emittierten Schadstoffe in der Atmosphäre nicht mehr homogen genug und die Messstelle ist nicht mehr repräsentativ.

Unter dieser Bedingung gilt:

  • Ist ein Grenz- oder Zielwert an der Messstelle eingehalten, ist er auch an anderen vergleichbar weiten Punkten in anderer Richtung zur Anlage (z. B. westlich oder südlich der Kokerei) eingehalten
  • Eine Überschreitung wird an diesem Punkt am schnellsten erkannt

Die Messstelle BOTT befindet sich ca. 600 m nordöstlich der Kokerei; sie ist also gut geeignet, die Belastungen der Kokerei zu erfassen.

Welche Staubemissionsquellen tragen zum Staubniederschlag bei?

Die Staubemissionen der Kokerei liefern neben anderen industriellen und sonstigen Quellen einen Beitrag zu den Staubimmissionen im Umfeld der Kokerei.

Typische relevante Quellen für Grobstaubemissionen sind sogenannte diffuse Emissionen, zum Beispiel Umschlagvorgänge oder Abwehungen von Halden, Baustellentätigkeiten und – insbesondere in regenarmen Zeiten – auch landwirtschaftliche Tätigkeiten (Feldbearbeitung).

Geführte Quellen wie Kamine können zwar auch zum Staubniederschlag beitragen, aber in der Regel nicht in einem relevanten Ausmaß im Nahbereich. Diese Abgasströme werden durch Staubfilteranlagen gereinigt, wobei insbesondere die groben Staubpartikel erfasst werden. Diese Quellen tragen gegebenenfalls zur Feinstaubbelastung bei.

Welche immissionsschutzrechtlichen Vorgaben gibt es für die Begrenzung der Grobstaubemissionen in Industrieanlagen?

Für diese sogenannten diffusen Staubemissionsquellen gibt es keine Grenzwerte, sondern es ist ein bestimmter technischer Standard einzuhalten (Stand der Technik nach TA Luft, BVT; beste verfügbare Techniken nach EU-Recht). Für Kohlemischbetten sind zum Beispiel Maßnahmen zu ergreifen, um die Abwehung von Material zu begrenzen, zum Beispiel durch Besprühung der Halde mit staubbindenden Mitteln und Erhöhung der Materialfeuchte.

Wie kontrolliert die Bezirksregierung die Einhaltung des Standes der Technik/der Staubemissionsminderungsmaßnahmen?

Die Bezirksregierung Münster führt unter anderem regelmäßige Kontrollen in den Industrieanlagen durch. Aufgrund trockener Witterung und Starkwindsituationen kam es in diesem und im letzten Jahr zu vermehrten Beschwerden über Staubniederschlag im Umfeld der Kokerei. Diese Ereignisse haben wir zum Anlass genommen die Staubemissionsminderungsmaßnahmen an den Kohlemischbetten sowohl zeitnah zu den jeweiligen Beschwerden als auch regelmäßig bei entsprechenden kritischen Wetterlagen zu überprüfen.

Auf welches Maß kann die Bezirksregierung als immissionsschutzrechliche Aufsichtsbehörde die Staubbelastung im Umfeld der Kokerei reduzieren?

Die Bezirksregierung als immissionsschutzrechtliche Aufsichtsbehörde (Exekutive) handelt nach gesetzlichen Vorgaben. Sie führt die Gesetze aus, die von der Legislative (z.B. Bundestag) in Gesetzgebungsverfahren beschlossen werden.

Gesetze bestimmen das Miteinander von Menschen. Sie sind allgemeine und für das ganze Volk verbindliche Regeln. So ist im Immissionsschutzrecht bundesweit geregelt, welches Immissionsniveau einzuhalten ist, aber damit auch, welche Immissionen von der Nachbarschaft hinzunehmen sind, weil sie im Gesetzgebungsverfahren als gesellschaftlich akzeptabel festgelegt wurden. Ansprüche, die über diese gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, können und darf die Bezirksregierung Münster als Exekutive nicht einfordern oder durchsetzen.

Deshalb hat sie bei Beschwerden, die trotz Einhaltung der Immissionswerte bestehen, keine Handlungsmöglichkeiten. Die Vorgabe eines anderen Immissionsschutzniveaus kann nur über ein Gesetzgebungsverfahren erfolgen.

Trotzdem nimmt die Bezirksregierung Münster diese Beschwerden regelmäßig zum Anlass, den technischen Standard zur Emissionsbegrenzung zu überprüfen (s.o. Einhaltung des Standes der Technik) und den Betreiber zu bitten, Maßnahmen zu ergreifen, die über den Stand der Technik hinausgehen. Verbindlich einfordern kann die Bezirksregierung Münster entsprechende Maßnahmen aber nicht.

Die Bezirksregierung Münster hat mit dem Betreiber der Kokerei Prosper in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung weitere Maßnahmen gegen Grobstaub-Niederschlag vereinbart. Insbesondere will sie künftig das Aufhalden der Kohle auf das absolut notwendige Maß reduzieren oder möglichst sogar ganz auf die Aufhaldung verzichten, wenn starker Wind angekündigt ist.

Benzo(a)pyren (BaP)

Welche immissionsschutzrechtlichen gesetzlichen Vorgaben gibt es für Benzo[a]pyren-Immissionen?

Für Benzo[a]pyren gilt ein Zielwert von 1 ng/m³ (Nanogramm pro Kubikmeter) als Jahresmittelwert. Der Zielwert für BaP-Immissionen ist in der 39. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) festgelegt. Im Gegensatz zu Immissionsgrenzwerten, die zum Beispiel für Feinstaub oder Stickoxid festgelegt sind, sind Zielwerte so definiert, dass sie „nach Möglichkeit“ innerhalb eines bestimmten Zeitraums eingehalten werden müssen. Soweit dies mit verhältnismäßigen Mitteln möglich ist, ist der Zielwert also einzuhalten.

Wie wird das gesetzliche Ziel überwacht?

Benzo(a)pyren-Immissionen werden an der Messstation des LANUV in Bottrop Welheim ermittelt.

Grafik zum Thema Benzo(a)pyren (BaP)

Hinweis zur Interpretation der Messergebnisse: Die gemessenen Werte sind für den Vergleich mit dem Zielwert von 1 ng/m3 auf 0 Kommastellen zu runden. Das heißt zum Beispiel ein gemessener Wert von 2,50 würde auf 3 aufgerundet werden, ein gemesse-ner Wert von 1,49 auf 1 abgerundet. © Bezirksregierung Münster

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Wie hoch war der Jahresmittelwert für das Jahr 2018?

Für das Jahr 2018 war dieser Zielwert um 0,7ng/ m³ überschritten. Er betrug 1,7 ng/m³ (gerundet 2 ng/m³). Die Herausforderung, den Zielwert als Jahresmittelwert sobald wie möglich wieder einzuhalten, richtet sich an den Betreiber der Kokerei. Die Bezirks­regierung Münster als zuständige Überwachungsbehörde wirkt nachdrücklich darauf hin, dass der Betreiber seinen Verpflichtungen zügig nachkommt. Dazu hat die Bezirksregierung im März 2019 einen öffentlich-rechtlichen Vertrag mit dem Betreiber geschlossen, in dem technische und organisatorische Maßnahmen festgelegt sind, um den Zielwert für BaP möglichst dauerhaft einzuhalten.

Welche Maßnahmen werden ergriffen, um den Zielwert für BaP einzuhalten?

Die technische Ausstattung der Kokerei entspricht den gesetzlichen Anforderungen, was im laufenden Betrieb aufrechterhalten werden muss. Daneben ist es wichtig, die Anlage optimal zu betreiben. Das bedeutet beispielsweise, dass die Dichtigkeit der Betriebseinrichtungen bestmöglich sichergestellt wird.

Die Bezirksregierung Münster hat mit der Arcelor­Mittal Bremen GmbH als Be­treiberin der Kokerei Prosper im März 2019 eine Vereinbarung zur Ver­ringerung von Benzo[a]pyren (BaP) - Immissionen getroffen. Mit der Verein­barung verpflichtet sich die Betreiberin im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Vertrages gegenüber der Bezirks­regierung Münster unter anderem durch organisatorische und technische Maß­nahmen dafür zu sorgen, den Zielwert für BaP-Immissionen möglichst dauerhaft einzuhalten.

Die Kokerei wird dafür sorgen, dass durch verbesserte Schulungen der Mitarbeiter, innerbetriebliche und organisatorische Vorkehrungen sowie zusätzliche technische Maß­nahmen alle Anstrengungen unternommen werden, um eine Reduzierung von BaP-Immissionen sobald wie möglich zu erreichen. So soll zum Beispiel die Abdichtung von Ofentüren verbessert und die Prozess­überwachung optimiert werden.

Die Bezirksregierung Münster wird die Umsetzung der Maßnahmen intensiv überwachen und gegebenenfalls durch die in der Verein­barung für diesen Fall vorgesehenen Sanktionen dafür sorgen, dass diese umgesetzt werden.

Als Sofortprogramm sind bereits umfangreiche Schulungen der Mitarbeiter zu emissionsmindernden Maßnahmen erfolgt. Die Abdichtleistung an den Batterien wurde mit den verfügbaren Einrichtungen verstärkt. Weiter wurden technische Maßnahmen zur Prozessstabilisierung getroffen, die sich ebenfalls emissionsmindernd auswirken sollen.

Die umgesetzten Maßnahmen werden einem ständigen Controlling unterzogen und wenn nötig angepasst. Die Bezirksregierung Münster wird weiterhin durch unangemeldete Überwachungen den Zustand des Betriebs kontrollieren.

Welche Emissionsquellen tragen zur Benzo(a)pyrenbelastung im Umfeld der Kokerei bei?

Quellen der Immissionsbelastung sind die Kokerei und mit geringerem Anteil die Hintergrundbelastung, beispielsweise Hausbrand und Verkehr. Die relevanten BaP-Emissionsquellen auf der Kokerei sind insbesondere die Koksofenbatterien, vor allem Koksofentüren und Fülllöcher. Dabei handelt es sich um sogenannte diffuse Quellen.

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